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    Hanffest 2011

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    Am war ich beim Hanffest in St. Leonhard am Forst (Bezirk Melk in Niederösterreich). Zuletzt war ich dort im Jahre 2001 zugegen - damals mit meiner Mutter und meinem Bruder. Die darauffolgenden Jahre dachte ich nie daran, dorthin zu gehen, weswegen ich mich leider erst im Herbst des Jahres 2006 wieder daran erinnerte und bei den Veranstaltern nachfragte, wann denn wieder ein derartiges Fest stattfände. Zu meinem Entsetzen wurde mir mitgeteilt, dass das Hanffest aus Kostengründen nur alle 5 Jahre veranstaltet wird. Somit musste ich mich noch knapp 5 Jahre bis zum nächsten gedulden.

    Ein Teil des Hanffeldes wurde zum Hanflabyrinth umfunktioniert

    Nun denn, dieses Jahr war es dann endlich soweit. Eigentlich wäre ich gern mit einer größeren Gruppe gefahren, aber viele Leute die ich gefragt hatte, waren entweder krank, verhindert, verreist, skeptisch (immerhin geht es um Hanf, das ist ja ein böses Rauschgift) oder wollten ausschlafen. Lediglich eine Bekannte, die ich bei einem Schauspielworkshop kennengelernt hatte und nicht allzu weit von St. Leonhard wohnt, sagte, sie würde wahrscheinlich auch hinkommen. Somit waren es letztendlich doch nur ich und meine Mutter, die die Reise antraten. Beim Hauptbahnhof St. Pölten holte sie mich ab und wir fuhren durch die Mostviertler Pampa (nicht böse, sondern liebevoll gemeint, ist ja schließlich meine Heimat), da meine Mutter keine Vignette hatte.

    Für einen seit ein paar Jahren in Wien Lebenden wie mich war die Reise durch zahllose Dörfer natürlich ein Kulturschock. Noch dazu war dieser Sonntag sehr heiß, weswegen die Straßen ziemlich leer waren (die meisten Leute waren wohl im Bad). Wir wussten den genauen Weg nicht, und mussten jemanden nach dem Weg fragen. In einer Gemeinde kam uns dann doch ein einsamer Jogger entgegen (um ca. 14:00), neben dem wir mit dem Auto kurz stehenblieben. Die Freundlichkeit hat mich überrascht. Er blieb sofort stehen, ging zu unserem Auto, lehnte sich zur Fensterscheibe und fragte, wie er uns denn helfen könne. Nach kurzer Konversation mit Auskunft fuhren wir weiter. Sowas gibt's in Wien nicht!

    Wir fuhren weiter. Meine Mutter fährt gern gemütlich, will beim Autofahren was von der Gegend sehen, hält sich an Tempolimits, also mag sie es nicht besonders, wenn minutenlang ein Auto hinter uns klebt. In einem anderen Dorf war dies genau der Fall. Um das Auto vorfahren zu lassen, fuhr meine Mutter ein wenig an die Seite und hielt an. Das hintere Auto - es war ein großer Kastenwagen mit seitlicher Schiebetür - fuhr langsam an uns vorbei und blieb schließlich neben uns stehen. Die Schiebetür ging auf und ich stellte mich schon auf Schimpferei à la "Du blöde Kuh, wieso bleibst du denn mitten auf der Straße stehen?!" ein.

    Weit gefehlt. "Ist was passiert? Können wir euch helfen? Wir haben uns gedacht, es ist was mit eurem Auto, weil ihr plötzlich zur Seite gefahren seid!" tönte es aus dem Kastenwagen. Wow. Sowas kennt man gar nicht mehr, wenn man in Wien lebt. Wir versicherten, dass alles in Ordnung mit uns sei und fragten dafür gleich nach dem Weg nach St. Leonhard. Die Frau im hinteren Teil des Wagens erklärte uns den Weg, während sich hinter uns auf der Hauptstraße zwischenzeitlich ein langer Stau bildete. Hupte irgendjemand von diesen Leuten? Nein. Wir bedankten und verabschiedeten uns und fuhren schließlich weiter. Sowas gibt's in Wien nicht!

    Schließlich fuhren wir durch die Gemeinde Kilb, wo wir einen kurzen Zwischenstopp beim Bankomaten machten. Als wir die Bank verließen, entdeckte ich ein paar Meter weiter einen in eine Hauswand verbauten Kasten mit der Aufschrift:

    1 Liter 1 Euro 0,5 Liter 0,60 Euro 0,50 Euro Pfand

    Ich nahm den Griff des Kastens und öffnete den Kühlschrank. Es war ein Kühlschrank! An der Hauptstraße, mitten im Ort! Gefüllt mit ca. 20 Glasflaschen Milch. Unter dem Kühlschrank standen auch noch Boxen für die zurückgegebenen Pfandflaschen. Ich warf 60 €¢ ein, nahm mir eine Halbliterflasche, trank sie aus und stellte die Flasche in die Rückgabebox. Eine Aufschrift besagte, man solle die Flaschen vor dem Zurückstellen doch bitte auswaschen, nur leider ging das hier mitten auf der Straße etwas schlecht - man möge mir die bemilchte Pfandflasche verzeihen. Sowas gibt's in Wien nicht!

    Eine ihrer Freundinnen landete in unseren Mägen
    Auch das gute alte Hanfseil gab es zu bestaunen

    Nun gut, nach ein paar weiteren Minuten Landschaftsgenuss, kamen wir endlich beim Hanffest an. Es gab wie schon vor 10 Jahren alles Mögliche mit Hanf: Hanfsaft, Hanfbier, Hanfsuppe, Hanfschokolade, Hanföl, sowie Nicht-Lebensmittel wie Hanfseile, Hanfdämmstoff oder Hanftextilien. Man konnte eine "Hanfmatura" machen, indem man 4 von insgesamt 6 Stationen beim Fest abklappert und sich dort jeweils einen Stempel holt. Als Belohnung gab es Geschenke - aus Hanf natürlich. Außerdem gab es noch andere (Nicht-Hanf-)Bio-Produkte von anderen Betrieben aus dem Umland. Interessant war auch die Führung im Betriebsgebäude samt Vorstellung der produzierten Güter. Ich kaufte mir übrigens eine Hanf-Gürteltasche, denn Textilien aus Hanf sind unverwüstlich.

    Mitten im Trubel trafen wir meine Bekannte vom Schauspielworkshop samt ihrer Tochter. Sie musste noch etwas länger beim Hanffest verbleiben als geplant, da ihr Auto nicht ansprang. Damit hatten wir noch länger Zeit zur Unterhaltung und nutzten die Gelegenheit, um Hanfbier auszuprobieren. Ich mag Bier generell nicht besonders, aber das Hanfbier war durchaus trinkbar.

    Und so klang dieser sonnige und abenteuerliche Tag aus. Irgendwie freue ich mich schon aufs nächste Mal in 5 Jahren.

    Ein paar Photos hinzugefügt.

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