Das purpurne Muttermal
Unser Lehrer Heinz Trixner (die Seite funktioniert bei mir unter Linux nicht richtig) hat mir vor Weihnachten nahegelegt, das Theaterstück Das purpurne Muttermal von René Pollesch im Akademietheater in Wien anzusehen, da ich erwähnt hatte, dass ich gern die Publikumsbeschimpfung von Peter Handke spielen würde, aber nicht sicher war, wie ich so ein Stück anlegen soll. Das purpurne Muttermal sollte mir da einen Anreiz geben, außerdem schien es ihm gefallen zu haben.
Kurz vor 20:00 Uhr betrat ich das Akademietheater. Ich war noch nie dort, auf dem Weg dorthin kam ich an einem großen und gut besuchten Eislaufplatz vorbei; da werd ich auch mal hinschauen. Ich holte meine reservierte Karte ab und setzte mich etwas später auf meinen Platz. Seltsamerweise kam niemand um meine Karte zu kontrollieren. Hätte ich sogar ohne zu bezahlen einfach reingehen können? Naja, ein Aufpasser am Eingang hatte gesehen, dass ich eine Karte in der Hand habe. Auf dem Platz kaufte ich dem Programmheftverkäufer ein Programmheft ab (2,80 €).
So ungefähr wusste ich ja schon worum es geht. Es sei ein Stück, bei dem die Schauspieler aus ihren Rollen rausfallen und Schauspieler spielen; und die Zuseher könnten hinter die Kulissen sehen.
So war es dann auch mehr oder weniger. In der Mitte der Kulissen war eine Videoprojektion von einer Kamera hinter der Bühne, ansonsten war die erste Szene ganz "normal". Doch als der erste Darsteller hinter den Kulissen verschwand, verlagerte sich das Spiel hinter die Bühne. Die Bühne war leer und die Zuseher konnten alles nur mehr über die Projektion verfolgen.
Eine richtige durchgehende Story war nicht wirklich vorhanden, find ich. Es gab eine Art Liebesgeschichte zwischen einem Hund und einem Affen. Die Darsteller hatten verschiedene Namen — Hans Moser, Sigourney Weaver, Eifersucht, etc. Szenen endeten abrupt und gingen dann in ganz andere Szenen über; eine rasante Autofahrt bei der Leute dem Auto nachlaufen, eine Eifersuchtsszene samt Mord, mehrere Monologe... Es war ziemlich bunt gemischt, aber irgendwie doch zusammenhängend. Teilweise gab es auch ein bisschen Interaktion mit dem Publikum, aber gerade da hätte es mehr sein können — von den Pradlern bin ich ja ziemlich viel Publikumseinbeziehung gewohnt. ;)
Das Publikum hatte großteils Gefallen an dem Stück; gebuht hat niemand und es gab viel Geklatsche. Nur beim Rausgehen habe ich ein paar eher negative Bemerkungen aufgeschnappt. Mir gefiel es irgendwie. Es gab einige Referenzen zu Filmen oder anderen Theaterstücken die mich zum Schmunzeln brachten. Auf jeden Fall war es ziemlich phantasievoll und unterhaltsam. Das Programmheft hab ich nur kurz überflogen, das werd ich in den nächsten Tagen noch ändern.
Sicher nicht ein Stück für jedermann; mich hat es aber inspiriert. Auf einer Skala von 1 bis 10 bekommt Das purpurne Muttermal 8 Daumen nach oben!