Persepolis
Inzwischen ist es schon fast Tradition, dass ich mich nach Weihnachten mit meiner besten Freundin Katrin in St. Pölten treffe und wir dann gemeinsam etwas unternehmen. Dieses Jahr schwankten wir zwischen Cinema Paradiso und AquaCity. Ich wäre mit beidem einverstanden gewesen, aber Katrin entschied sich fürs Kino.
Am Mittwoch den 26. Dezember haben wir uns im Cinema Paradiso den französischen Zeichentrickfilm Persepolis angesehen. Eigentlich hätte ich ja lieber Das Leben das Brian gesehen, aber der lief Katrin zu spät, denn sie wollte noch nach Wien fahren. Wir waren ziemlich früh dran und gingen deshalb vorher noch zum Burger King.
Ich hatte mich überhaupt nicht im Vorhinein über den Film informiert, nicht mal im Programmheft hab ich die Inhaltsangabe gelesen — aber das war gar nicht so schlecht, da man sich dann 100%ig vom Film überraschen lassen kann. Als ich realisierte, dass es ein französischer Film sei, hatte ich kurz Panik, es wäre die Originalversion in französischer Sprache! Dem fliegenden Spaghettimonster sei Dank war er aber doch synchronisiert.
Zur Geschichte: der Film basiert auf der wahren Lebensgeschichte der Iranerin Marjane Satrapi und ist eine Rückblende auf die Zeit ihres Lebens, in der sie die großen Veränderungen im Iran der 70er und 80er Jahre miterlebt. Eigentlich ist der Film eine Kino-Adaption des gleichnamigen Comics, den Satrapi bereits vor ein paar Jahren geschaffen hat.
Anfangs überraschte mich der sehr simple Zeichenstil und es schien für mich mehr Kunstkino zu sein. Aber nach etwa 10 Minuten war ich erstaunt, wie detailliert und sogar lehrreich die Story wurde. Die sehr einfach gehaltenen Zeichnungen, die aber trotzdem ziemlich aussagekräftig sind, täuschen über die ernste Geschichte hinweg. Interessant war auch, dass fast der ganze Film in schwarzweiß gehalten war, nur die Rahmenhandlung war koloriert. Ich habe gelesen, dass auch die Comics nur monochrom seien. Wahrscheinlich hätte das zu sehr den Stil des Originals gestört, hätte man alles eingefärbt.
Auch der Humor kam nicht zu kurz: die Geschichte wurde locker-flockig erzählt mit vielen "kindlichen" Einfällen und spontanen Gags, die einen fast vergessen ließen, dass es zwischendurch sehr ernste Szenen gab.
Marjane verbringt ein paar Jahre ihres Lebens in Wien, also sah man aus dieser Zeit auch Szenen. Da fiel mir mal wieder auf, was für eine furchtbare Vorstellung die deutschen Synchronstudios heute noch vom Wiener oder überhaupt vom österreichischen Dialekt haben. Wann immer die Deutschen jemanden Österreichisch reden lassen, dann klingt das nach einem derart Extrem-Wienerischen Dialekt, wie er heute (wenn überhaupt jemals) so gut wie gar nicht mehr in Wien gesprochen wird. Zumindest kenne ich keine Wiener, die so reden, wie unsere "lieben" Nachbarn sich das vorstellen. ;)
Mir gefiel der Film recht gut, ich habe ein paar interessante Einblicke in den iranischen Alltag von einst und heute bekommen. Prädikat: sehenswert. Und auf einer Skala von 1 bis 10 bekommt dieser Film 8 glückliche Strichmaxln (und 2 bewusstlose)!