Wahlcomputer
Vorhin habe ich diesen Artikel über die Sicherheit von Wahlcomputern in Deutschland auf der Homepage des CCC gelesen. Im Prinzip nichts Neues, denn dass Wahlcomputer durch teilweise echt einfache Mittel kompromittiert und Wahlen dadurch manipuliert werden können, ist schon seit Jahren bekannt.
Seit ich diese Diskussionen über Wahlcomputer verfolge, frage ich mich immer wieder: wozu das Ganze? Das "alte" System mit Papier und Stift hat sich doch jahrzehnte- und teilweise jahrhundertelang bewährt. Es ist total primitiv (im positiven Sinne), denn demokratische Wahlen sind vom technischen Vorgang her simpel: alle Bürger geben ihre Stimme ab, die werden dann zusammengezählt und der mit den meisten Stimmen hat gewonnen (um es mal ganz grob zu formulieren). Computer wurden doch hauptsächlich dazu entwickelt, um in gewissen Bereichen des Lebens die Arbeit zu erleichtern, schwierige Aufgaben von den Schultern der Menschen zu nehmen. Sind Kreuzerl machen und Kreuzerl zählen zu schwierig für uns Menschen, müssen wir das auch an Computer delegieren?
Technisch gesehen hat so ein Wahlcomputer natürlich Vorteile: die Stimmen können schneller registriert und ausgewertet werden. Vor Allem bei unübersichtlichen Kandidatenlisten (man erinnere sich an die US-Präsidentschaftswahl 2000) könnte man durch eine übersichtliche graphische Benutzeroberfläche das Wählen erleichtern (z.B. Photos der Kandidaten neben die Namen plazieren, große Schriften für sehschwache Wähler, etc.). Durch Wahlcomputer könnte man theoretisch 1 Sekunde nach Wahlschluss das amtliche Endergebnis bekanntgeben.
Aber mal ehrlich: muss ich das Ergebnis unbedingt so schnell wissen? Was bringt mir das? Das vorläufige Endergebnis liegt meistens eh ziemlich richtig; und wenn nicht, ist das meistens die Garantie für einen humorvollen Fernsehabend — wenn zunächst Partei X jubelt, weil sie 0,5% vor Partei Y liegt, aber 2 Stunden später nicht mehr und alle von Partei X dann in kollektive Tränen ausbrechen. :D
Und wegen der Barrierefreiheit: das kann man auch mit Wahlhelfern.
Ein weiteres Argument sind meiner Meinung nach die Kosten. Sicher, ein paar Millionen Wahlzettel drucken, Wahlhelfer, Wahllokale, etc. organisieren kostet Geld. Aber auch in einem Wahllokal mit Wahlcomputern werden Menschen zur Überwachung/Hilfestellung anwesend sein müssen. Außerden müssen die Wahlcomputer gewartet, kontrolliert, repariert und zuallerst natürlich gebaut werden. Die Software muss entwickelt werden. Die Wahlcomputer müssen sicher gelagert werden können bis zur nächsten Wahl. Da Hacker immer wieder beweisen, wie leicht Wahlcomputer zu manipulieren sind, muss auch ständig die Software weiterentwickelt werden. Und und und...
Auf das Grundproblem von Wahlcomputer-Software (siehe Security through Obscurity) sei hier natürlich auch verwiesen.
Mein Fazit: Wahlcomputer gefährden die Demokratie und können nichts besser, was Wahlzettel nicht auch schon immer gekonnt haben. Für besonders bedenklich erachte ich, dass die neue Regierung in ihrem offiziellem Regierungsprogramm (siehe Dokumente der aktuellen Regierung) auf Seite 28 den Satz "Prüfung der elektronischen Stimmabgabe (e-voting)" stehen hat. "Prüfen" ist zwar noch nicht "einführen", aber es hört sich nicht gut an. Was da wieder an Steuergeldern für so eine "Prüfung" ausgegeben werden...