Der Trip nach Rostock
Wie angekündigt mein kleiner Reisebericht für den Trip nach Rostock:
Donnerstag, 12. April - ich fuhr mit dem EN 490 um 19:55 von Wien aus los Richtung Hamburg. Bis Wels gesellten sich noch 4 andere Leute zu mir in den Liegewagen; die waren schon alle recht müde (ich auch), deshalb drehten wir bald das Licht ab und gegen 22:30 waren wir in Morpheus' Armen. Normalerweise schlafe ich ständig ein im Zug bei längeren Strecken, aber diesmal war es schwierig. Ich war vielleicht grad mal 4 Stunden im Tiefschlaf.
Freitag, 13. April - kurz nach 7:00 stand ich auf und plauderte noch ein bisschen mit einer Mitfahrerin, die mit ihrem Sohn Richtung Hamburg unterwegs war. Es gab ein recht mageres Frühstück (Buttersemmel mit Marmelada, Tee) und um 7:52 kam der Zug in Hamburg an. Bis zu meinem Anschlusszug hatte ich 28 Minuten, leider nicht genug Zeit um die Stadt ein bisschen zu besichtigen. Mir haben schon einige Freunde und Bekannte gesagt, dass Hamburg eine schöne Stadt ist, die eine Reise wert ist. Ich machte nur ein paar Photos vom riesigen Hamburger Bahnhof... :D
Mit dem RE 33007 fuhr ich später weiter Richtung Rostock, um 10:52 kam ich am Hauptbahnhof Rostock an. Der Kauf von Fahrkarten für die Straßenbahn stellte sich als einfach heraus, sogar ich schaffte es mir eine zu kaufen für die Fahrt zum Hotel. Das Hotel schien ein wenig abgelegen zu sein, weil rundherum irgendwie wenige Häuser waren, aber trotzdem brauchte man nur 5 Minuten mit der Straßenbahn um in die Stadt zu kommen. Ich ging abends früh schlafen, um am nächsten Morgen fit für die Prüfung zu sein.
Samstag, 14. April - ich stand früh auf und genehmigte mir ein reichhaltiges Frühstück, bis ich fast platzte (immerhin war es ein Buffet um 8 €). Die HMT Rostock war nicht weit vom Hotel entfernt, nicht einmal 10 Minuten mit der Straßenbahn. Ein bissl nervig war halt, dass am Wochenende in Rostock die Intervalle zwischen den Straßenbahnen ziemlich lange sind (15 Minuten und mehr) und ich deshalb eine Weile warten musste.
Auf dem Weg zur Schule traf ich ein Mädchen, die ebenfalls auf dem Weg zur Eignungsprüfung war; ich hatte sie schon in der Straßenbahn gesehen, aber da wussten wir noch nichts von unserem gemeinsamen Ziel. Wir meldeten uns an und warteten mit über 100 anderen Schülern in der Caféteria und den Räumlichkeiten drumherum. Nach einer Weile tauchten 5 (oder 6?) Lehrer der Schule auf und teilten uns in ebensoviele Gruppen ein. Ich war in der letzten Gruppe.
Zunächst gingen wir in den Vorführraum - ein etwa klassenzimmergroßer Raum komplett in schwarz gehalten. An der Rückwand standen Stühle für ca. 20 Leute, davor ein Tisch mit 2 Stühlen, wo der Lehrer und eine andere Prüferin Platz nahmen. Der Prüfer gab uns ein paar Informationen über den Ablauf des Vorsprechens. Das wichtigste Detail war: heuer haben sich ca. 1000 Interessenten bei der HMT angemeldet, aber sie nehmen pro Jahrgang nur maximal 12 (!) neue Studenten auf — logischerweise sehr schwer, da reinzukommen.
Anschließend gingen alle raus und wurden alphabetisch einzeln wieder reingerufen. Zwischen den Vorführungen durften auch andere Vorsprecher ein und aus gehen, um den anderen zuzuschauen — machte ich aber nicht, aus Angst, dadurch verunsichert zu werden; im Nachhinein denke ich, wäre es sicher gut gewesen, mir zumindest ein paar Monologe meiner "Konkurrenten" anzuhören.
Dummerweise war ich außergewöhnlich nervös. Wenn ich nervös werde, dann meist kurz vor Als ich drankam, spielte ich zuerst meinen Monolog aus Tod eines Handlungsreisenden von Sir Arthur Miller vor, und zwar die Rolle des "Happy". Happy ist ein großer muskulöser Frauenschwarm jenseits der 30, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) liegt mir die Rolle sehr. Ich spielte den Monolog am Boden auf einem Polster liegend vor, da die Szene im Bett spielt. Danach schickten mich die Prüfer wieder raus.
Die anderen Vorsprecher kamen dran, dann berieten sich die Prüfer eine Weile und fingen später wieder an, die Vorsprecher alphabetisch zum 2. Monolog hereinzubitten. Ich unterhielt mich in der Zwischenzeit mit einer Vorsprecherin und ihren 2 Freundinnen, die mitgekommen waren. Das half ein bisschen, von meiner Nervosität runterzukommen.
Schließlich wurde ich zum 2. Monolog reingerufen. Ich trug die Rolle des "Osip" aus Platonov (auch bekannt als Die Vaterlosen) von Anton Tschechow vor. Wie zu Beginn von den Prüfern angekündigt, wurde ich mittendrin abgebrochen. Den 2. Monolog wollten sie wohl nur mehr sehen, um sich ihre Meinung über den 1. Monolog bestätigen zu können. Sie schickten mich wieder raus.
Wieder verging Zeit, bis alle anderen durch waren und sich die Prüfer fertig beraten hatten. Zum 3. Mal wurde ich nun in den Prüfungsraum beordert, wo mir die beiden Prüfer ein ausführliches Feedback gaben! Der Prüfer meinte, ich müsse noch mehr aus mir rausgehen. Mein imaginärer Szenenpartner sei noch nicht wirklich da. Ich bekam ein paar Tips wie ich mein Spiel verbessern könnte. Außerdem sagte der Prüfer, ich könne es gern nächstes Jahr wieder probieren, wenn ich bis dahin nicht schon irgendwo anders genommen wurde; er schließt somit nicht aus, dass ich mich noch um Einiges steigern kann. Insgesamt kann ich dieses Feedback als ziemlich positiv bewerten, würde ich sagen. Wäre ich talentlos, hätte ein ehrlicher Mensch sicher gesagt, dass ich nicht nochmal kommen brauche.
Nach diesem Feedback ging ich gleich wieder heimwärts, bzw. fuhr mit der Straßenbahn zum Hotel. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Entspannung und einer Pizza die ich in der Pizzeria neben dem Hotel bestellt hatte. :)
Sonntag, 15. April - auch heute gönnte ich mir ein reichhaltiges Frühstück. Es war sonst keiner im Speisesaal des Hotels, also hatte ich das Buffet ganz für mich allein! :-D Um ca. 10:00 musste ich dann auschecken. Ich erkundete noch ein bisschen Rostock, machte Photos, schaute mir ein paar Sehenswürdigkeiten an, durchstreifte die Fußgängerzone... Am Nachmittag legte ich mich am Hafen auf eine Bank und ließ mich in der Sonne braten. Ich ging den Hafen entlang und sah mir Boote und Häuser an... Etwas zu früh (ich wollte meinen Zug nicht verpassen) fuhr ich dann Richtung Bahnhof, wo ich dann ziemlich lange warten musste. Da bemerkte ich, dass ich mir meinen ersten Sonnenbrand geholt hatte. Und das in der nördlichsten Stadt in der ich bisher auf der Welt war! Naja es war nur eine leichte Rötung, nach 2 Tagen war es wieder OK.
Um 18:25 kam mein Zug, der IC 2471. Ich las mein c't fertig, welches ich schon in Wien am Westbahnhof gekauft hatte. Um 20:15 war ich in Hamburg. Am Bahnsteig hörte ich zum ersten Mal seit Tagen wieder den vertrauten österreichischen Dialekt und fühlte mich schon fast wieder daheim. Um 20:31 fuhr der EN 491 ein; diesmal hatte ich leider keine Reservierung für einen Liegewagen und musste in einem Abteil schlafen. Glücklicherweise war außer einer jungen Frau sonst niemand im Abteil, so konnte ich wenigstens die Beine hochlegen und gemütlich da liegen.
Montag, 16. April - nach der österreichischen Grenze wurden wir zweimal in der Nacht von Polizisten kontrolliert, das fand ich irgendwie übertrieben. Meine Mitfahrerin musste sogar ihr ganzes Gepäck ausräumen; übrigens war sie zwar offenbar Österreicherin, hatte aber einen ausländischen Akzent... Um 8:12 war ich endlich wieder in good old St. Pölten. Was für ein Trip!
Was ich von dieser Reise mitgenommen habe:
- 1 Urkunde fürs Nicht-Bestehen der Aufnahmeprüfung an der HMT Rostock
- 2 kleine Seifen aus dem Hotel
- 1 Packerl mit Shampoo aus dem Hotel
- leichten Sonnenbrand
- neue Motivation für meinen Berufsweg
- die Erkenntnis: Rostock ist eine sehr schöne Stadt; hätte mir sicher gefallen, dort 4 Jahre zu wohnen
Handtuch aus dem Hotel hab ich übrigens keines mitgehen lassen... Wirklich nicht.