Und dann habe ich am vergangenen Montag noch einen anderen Film gesehen. Und zwar Der Räuber von Benjamin Heisenberg, im Open-Air Kino beim Schloss Neugebäude in Wien Simmering. Zu diesem Film habe ich eine besondere Beziehung, denn ich hatte einen kleinen Kurzauftritt als Komparse (Dreharbeiten waren vor 2 Jahren, wenn ich mich recht entsinne).
Im Film geht es um Johann Rettenberger (Andreas Lust), der vor einigen Jahren eine Bank überfallen hat. Zu Beginn des Films wird er gerade aus dem Gefängnis entlassen. Hinter schwedischen Gardinen war er nicht ganz untätig, er hat viel trainiert für seine große Leidenschaft, das Marathonlaufen; kurz nach der Entlassung gewinnt er sogar den Vienna City Marathon. In der süßen Freiheit trifft er seine frühere Lebensgefährtin Erika (Franziska Weisz) wieder, welche anfangs noch reserviert ihm gegenüber auftritt, aber dann offenbar doch wieder ihre Gefühle für ihn entdeckt und ihn bei sich wohnen lässt.
Dummerweise kann Johann es nicht lassen und bricht bald wieder in eine Bank ein. Aber es bleibt nicht dabei, es scheint fast wie ein Spiel für ihn zu sein und er raubt auch mehrere Banken hintereinander aus - er flieht aus der einen und läuft gleich in die nächste 3 Straßen weiter. Letztendlich kommt ihm Erika auf die Schliche und fordert ihn auf, ihre Wohnung zu verlassen. Als er dann noch seinen Bewährungshelfer in einer Kurzschlussreaktion tötet, ist ihm bald die Polizei auf den Fersen. Johann ist aber nicht dumm und äußerst flink und kann so seinen Verfolgern immer wieder entkommen.
Die Geschichte beruht primär auf dem gleichnamigen Buch von Martin Prinz, welches aber wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht, die sich im Österreich der 80er Jahre zugetragen hat. Damals trieb ein Bankräuber namens Johann Kastenberger sein Unwesen und ging als Pumpgun-Ronnie
in die österreichische Kriminalgeschichte ein (weil er mit einer Pumpgun und einer Ronald-Reagan-Maske Banken überfiel).
Mir gefiel der Film ziemlich gut, weil er sehr reduziert, still und überhaupt nicht reißerisch war. Der Hauptprotagonist redete sehr wenig - dadurch wurde sein Außenseitertum umso mehr ausgedrückt. Nebenfiguren kamen teilweise überhaupt nicht in Großaufnahme vor; die beiden ermittelnden Kommissare wurden beispielsweise nie deutlich von vorne gezeigt. Irgendwie fühlte man mit Johann mit, obwohl er natürlich kein Guter war.
Mein kurzer Komparsenauftritt wurde (wie so oft) ziemlich zusammengeschnitten. In einer Szene laufen viele Polizisten in der Morgendämmerung mit Scheinwerfen ausgestattet durch den Wald - einer davon war ich. Einige Szenen haben wir noch gedreht, als es dann schon heller war. Wir Polizisten mussten den Wald durchkämmen. Ist zwar schon eine Weile her, aber ich glaube da wurde dann letztendlich kaum Material für den Film verwendet.
Insgesamt ein eher kurzweiliger, aber dennoch sehenswerter Außenseiter-Film. Er beantwortet die Fragen über Johanns Psyche nicht, sondern überlässt dies dem Zuschauer. Auf einer Skala von 1 bis 10 bekommt dieser Film
8 Marathonläufer.